Legasthenie-Nachhilfe oder Lerntherapie? Was der Wert im Testbericht Ihnen verrät
Janette · Ratgeber & Inhalte bei SchulpfadZuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026 · Lesezeit: 9 Minuten
Dasselbe Wort, dreimal verschieden geschrieben, im selben Aufsatz. Ob dahinter eine Lese-Rechtschreib-Störung steckt und ob Legasthenie-Nachhilfe hier das passende Mittel ist, lässt sich an zwei Zahlen im Testbericht erkennen. Dabei kann die Schule etwas ändern, bevor Sie einen einzigen Euro ausgeben.
Das Wichtigste in Kürze
- ✓Aus Vermittler-Sicht passt Nachhilfe meist bei Verdacht und leichter bis mittlerer Ausprägung; bei deutlicher Ausprägung gehört eine zertifizierte Lerntherapie in die erste Reihe, Fachnachhilfe kann daneben laufen — das ist keine medizinische Empfehlung, nur eine praktische Einordnung.
- ✓Wie stark es ausgeprägt ist, sagt der Testbericht: Wenn rund 93 von 100 gleichaltrigen Kindern besser lesen oder schreiben, gilt die Ausprägung nach der medizinischen Leitlinie als deutlich.
- ✓Der Nachteilsausgleich in der Schule kostet in der Regel nichts und bleibt meist ohne Zeugnisvermerk; Notenschutz greift tiefer und wird vermerkt.
- ✓Eine Lerntherapie zahlt die Krankenkasse in der Regel nicht selbst.
Der Abend läuft in vielen Familien nach demselben Muster: eine halbe Stunde Wörter abfragen, am Ende ist die Stimmung im Keller, im Diktat am Freitag stehen wieder dieselben Fehler. Mehr vom Gleichen führt bei einer Lese-Rechtschreib-Störung selten weiter. Sie stehen dann vor einer Entscheidung, auf die im Netz beide Seiten mit dem eigenen Angebot antworten: „Reicht bei uns eine gute Nachhilfe, oder brauchen wir eine Lerntherapie über Monate?" Auf den Seiten der Lerntherapie-Anbieter steht meist, Nachhilfe reiche bei Legasthenie grundsätzlich nicht; auf denen der Nachhilfe-Institute, dass sie hier selbstverständlich fördern. Was tatsächlich passt, hängt an der Ausprägung. Und die können Sie im Testbericht selbst nachlesen, bevor Sie irgendwo anrufen.
Legasthenie-Nachhilfe richtig einordnen: Prozentrang 7, T-Wert 35 als Maßstab
Als deutlich ausgeprägt gilt eine Lese-Rechtschreib-Störung, wenn die Testleistung mindestens 1,5 Standardabweichungen unter dem Durchschnitt liegt: T-Wert 35 oder niedriger, Prozentrang etwa 7 oder niedriger (AWMF-S3-Leitlinie 028-044). Kommen klare klinische Hinweise dazu, ist die Diagnose schon ab 1,0 Standardabweichung möglich, also bei T-Wert 40 oder Prozentrang um 16. Übersetzt heißt Prozentrang 7: Von 100 gleichaltrigen Kindern lesen oder schreiben 93 besser.
Der T-Wert hat seinen Durchschnitt bei 50, zehn Punkte darunter entsprechen einer Standardabweichung. Deshalb sagt derselbe Befund je nach Zeile etwas völlig anderes.
| Wert im Befund | Einordnung nach den Grenzwerten der Leitlinie |
|---|---|
| T-Wert ab 45 / Prozentrang ab 31 | Normalbereich, einzelne Schwächen |
| T-Wert 41–44 / Prozentrang 17–30 | unterdurchschnittlich, ohne die Grenzwerte zu erreichen |
| T-Wert 36–40 / Prozentrang 8–16 | mit klaren klinischen Hinweisen diagnoserelevant |
| T-Wert 35 oder darunter / Prozentrang 7 oder darunter | deutlich ausgeprägt |
Was daraus für die Förderung folgt, steht so nicht in der Leitlinie: Sie beschreibt Grenzwerte, keine Förderwege. Die folgende Einordnung ist die Lesart von Schulpfad als Vermittler, keine medizinische Empfehlung. Bis in den unterdurchschnittlichen Bereich hinein ist Fachnachhilfe meist der naheliegende erste Schritt. Im Feld dazwischen gehören Diagnostik und ein Nachteilsausgleich dazu, bevor Geld in Förderung fließt. Bei deutlicher Ausprägung führt eine zertifizierte Lerntherapie; Nachhilfe hält daneben den Schulstoff.
Die Grenzwerte stammen aus der Leitlinie, gestellt wird die Diagnose von einem Facharzt oder Psychotherapeuten. Im Befund steht dazu meist eine Kennnummer aus dem internationalen Diagnoseverzeichnis ICD-10: F81.0 für die Lesestörung, F81.1 für die Rechtschreibstörung, F81.2 für die Rechenstörung. Dass die Rechtschreibleistung zusätzlich deutlich unter dem Intelligenzwert liegen muss, gehört nach der aktuellen Leitlinie nicht mehr dazu.
Legasthenie erkennen: die Anzeichen, die in der Grundschule zuerst auffallen
- dasselbe Wort in einem Text in drei verschiedenen Schreibweisen
- stockendes Lesen, während das Kind mündlich altersgemäß erzählt
- verdrehte Buchstaben und Silben (b und d, ie und ei), auch nach viel Übung
- Abschreiben von der Tafel dauert deutlich länger als bei Mitschülern
- Bauchweh vor Diktaten, Ausweichen vor allem Geschriebenen
Sicher feststellen lässt sich das frühestens ab Mitte oder Ende der zweiten Klasse (DGKJP), weil der Lernstand vorher zu stark schwankt. Den Befund abwarten müssen Sie trotzdem nicht, um Ihrem Kind das Schreiben zu erleichtern.
💡 Tipp: Augen und Ohren zuerst prüfen lassen
Bevor Geld in Diagnostik oder Förderung geht, gehören ein aktueller Sehtest und ein Hörtest dazu. Beides zahlt in der Regel die Krankenkasse. Die Leitlinie sieht den Ausschluss von Seh- und Hörproblemen ausdrücklich vor.
Viele Eltern kommen mit dem Testbericht aus der Praxis und stehen dann vor der eigentlichen Aufgabe: Aus zwei Zahlen muss eine Entscheidung werden. Bevor die fällt, lohnt ein Blick auf den Hebel, der in der Schule liegt.
Nachteilsausgleich und Notenschutz in der Schule: der Hebel, den viele Familien nie ziehen
Ein Nachteilsausgleich verändert die Bedingungen einer Klassenarbeit: mehr Zeit, vorgelesene Aufgabenstellung, größere Schrift, manchmal ein Laptop. Die Anforderungen selbst bleiben dieselben, und er kostet in der Regel keinen Cent, wirkt ab der nächsten Arbeit und wird trotzdem selten beantragt. Notenschutz geht weiter und nimmt die Rechtschreibleistung ganz oder teilweise aus der Bewertung, was in den meisten Ländern einen Vermerk im Zeugnis nach sich zieht.
| Nachteilsausgleich | Notenschutz | |
|---|---|---|
| Was sich ändert | Bedingungen: Zeit, Vorlesen, Hilfsmittel | Bewertungsmaßstab: Rechtschreibung zählt weniger |
| Anforderung | bleibt gleich | wird abgesenkt |
| Vermerk im Zeugnis | in den meisten Ländern nein | ja, ohne Nennung der Diagnose |
| Nachweis | schulische Feststellung oder Stellungnahme | in den meisten Ländern strenger geregelt |
Dass ein solcher Vermerk überhaupt zulässig ist, hat das Bundesverfassungsgericht mit Beschluss vom 22. November 2023 (1 BvR 2577/15 u. a.) geklärt: Legasthenie ist eine Behinderung im Sinne von Artikel 3 Absatz 3 Satz 2 Grundgesetz. Nach dieser Entscheidung kann ein Hinweis auf abweichende Bewertungsmaßstäbe im Abiturzeugnis geboten sein. Beanstandet wurde etwas anderes: Die damalige bayerische Praxis setzte solche Vermerke bei Legasthenie, bei anderen Beeinträchtigungen aber nicht.
So läuft der Antrag in den meisten Bundesländern:
- Gespräch mit der Klassenleitung, Anliegen kurz schriftlich mitschicken.
- Nachweis besorgen: schulpsychologische Stellungnahme, fachärztlicher Befund oder schulische Feststellung.
- Antrag an die Schulleitung, mit konkreten Maßnahmen (mehr Zeit, Vorlesen der Aufgabenstellung).
- Bescheid aufbewahren und prüfen, ob er jährlich verlängert werden muss.
Die Fristen regeln die Bundesländer eigenständig. Rückwirkend lässt sich meist nichts korrigieren. In mehreren Ländern liegt der Stichtag in den ersten Unterrichtswochen, in Bayern etwa am Freitag der ersten vollen Unterrichtswoche (BaySchO). Einzelne Länder überarbeiten ihre Vorgaben gerade, deshalb ist der Blick in die aktuelle Schulordnung Ihres Bundeslands der sicherste Weg.
Hinweis für den Schuljahresbeginn: Der Antrag läuft über die Schulleitung
Der fachliche Befund ist nur die Grundlage, gestellt wird der Antrag in der Schule. Wer früh im Schuljahr fragt, erreicht etwas für die Arbeiten der nächsten Monate; wer im Mai fragt, oft nur noch für die letzte davon.
Der Ausgleich nimmt Druck aus dem Alltag, er ersetzt aber keine Förderung. Bleibt die Frage, welche.

Reicht Legasthenie-Nachhilfe, oder braucht Ihr Kind eine Lerntherapie?
Bei Verdacht und leichter bis mittlerer Ausprägung ist Fachnachhilfe in der Regel die richtige und deutlich günstigere erste Wahl. Bei deutlicher Ausprägung gehört eine zertifizierte Lerntherapie in die erste Reihe, während Fachnachhilfe Ihr Kind daneben im laufenden Stoff hält.
Eine Lerntherapie arbeitet an den Grundlagen: Lautstruktur der Sprache, Aufbau von Wörtern, Lesestrategien, dazu meist am Selbstbild des Kindes. Nachhilfe arbeitet am Schulstoff und daran, wie ein Kind sich diesen Stoff erschließt. Bei der Therapeutensuche lohnt der Blick auf die Qualifikation: Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie vergibt die Bezeichnung „Dyslexietherapeut nach BVL" nach mindestens 450 Stunden Weiterbildung und führt ein Verzeichnis nach Postleitzahl.
Ein Muster, das sich in vielen Familien wiederholt: Ein Drittklässler übt ein halbes Jahr lang jeden Abend zwanzig Minuten Wörter ab, die Mutter kontrolliert, korrigiert, lobt. Die Rechtschreibung bleibt, wie sie ist, die Abende werden schlechter, irgendwann verweigert das Kind. Im Test steht später Prozentrang 5. Das Üben war nicht zu wenig, es war zu weit oben angesetzt: Wer die Lautstruktur eines Wortes nicht sicher beherrscht, kann Wortbilder auswendig lernen, bis der Abend gelaufen ist.
Bei einer Lese-Rechtschreib-Störung ist mehr Üben selten die Lösung, und falsch angesetztes Üben ist häufig Teil des Problems. Der Aufwand am Küchentisch hat in solchen Fällen gestimmt; er lag nur eine Ebene zu hoch.
Bei deutlicher Ausprägung ist Fachnachhilfe nicht die Hauptmaßnahme, sondern die Entlastung daneben.
Die Stufen darunter sind eine praktische Einordnung für die Entscheidung zu Hause, keine Empfehlung aus der Leitlinie. Von dort kommen die Grenzwerte, nicht der Förderweg.
Normalbereich, einzelne Schwächen (T-Wert ab 45, Prozentrang ab 31): Hier reicht in der Regel die reguläre Unterstützung durch die Schule plus gezieltes Üben zu Hause. Ein zusätzliches Angebot ist an dieser Stelle meist nicht nötig — beobachten Sie stattdessen die nächsten Arbeiten.
Stufe 1: Verdacht, noch kein Befund. Die Deutschnote rutscht, die Lehrkraft hat etwas angedeutet, ein Testtermin steht aus. Bis zum Termin in der Kinder- und Jugendpsychiatrie gehen in vielen Regionen Monate ins Land; eine belastbare Statistik dazu gibt es nicht, die Richtung kennt aber fast jede betroffene Familie. Diese Wartezeit ungenutzt zu lassen, kostet Ihr Kind Anschluss im laufenden Stoff. Fachnachhilfe lässt sich ohne Befund starten. Ob Zugang und Chemie stimmen, zeigt schon die erste Stunde.
Stufe 2: diagnostiziert, moderat ausgeprägt (T-Wert um 40, Prozentrang etwa 8 bis 16). Hier ist Fachnachhilfe einen Versuch wert, am besten zusammen mit dem Nachteilsausgleich in der Schule. Bei der Auswahl der Lehrkraft lohnt die konkrete Frage, ob sie schon mit Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten gearbeitet hat und ob sie Fehler nach Mustern sortiert, statt jedes falsche Wort einzeln zu korrigieren. Wie Deutschförderung im Einzelunterricht abläuft, steht auf der Seite zur Deutsch-Nachhilfe.
Stufe 3: deutlich ausgeprägt (T-Wert 35 oder darunter, Prozentrang 7 oder darunter). Die Hauptmaßnahme ist hier eine zertifizierte Lerntherapie, dabei bleibt es auch. Daneben läuft die Schule weiter: Textaufgaben in Mathe, Vokabeltests in Englisch, und genau dort entsteht der Druck, den die Therapie nicht abfängt. Eine Lese-Rechtschreib-Störung tritt zudem häufig gemeinsam mit einer Rechenstörung auf (BVL). Fachnachhilfe entlastet parallel, ohne der Therapie ins Handwerk zu pfuschen. Suchen Sie deshalb beides gleichzeitig: den Therapieplatz und eine Lehrkraft für das Fach, das gerade am meisten weh tut.
Für Stufe 1 und Stufe 2 ist der nächste Schritt derselbe, nur der Zeitpunkt unterscheidet sich: eine Lehrkraft finden, mit der Ihr Kind arbeitet.
Sie stehen bei Stufe 1 oder 2 und wollen die Wartezeit nicht verlieren? Schildern Sie den Fall im Formular für die kostenlose Probestunde: Klassenstufe, Fach, was zu Hause schon versucht wurde, und ob ein Befund vorliegt. Nach Erfahrung mit Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten können Sie dabei ausdrücklich fragen, meist mit Rückmeldung innerhalb von 24 Stunden. Kommt danach ein Vertrag zustande, gelten die Konditionen des Anbieters; die sollten Sie sich vorher zeigen lassen.
„Die Kasse zahlt das über ein Ergo-Rezept": was davon stimmt
Für eine Lerntherapie bei Legasthenie zahlt die gesetzliche Krankenkasse in der Regel nicht. Die Heilmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses führt Maßnahmen bei Lese-Rechtschreib- und Rechenstörungen ausdrücklich als nicht verordnungsfähig; in dieselbe Richtung geht eine ältere Entscheidung des Bundessozialgerichts. Wenn trotzdem von einem Ergotherapie-Rezept die Rede ist, das die Kasse übernimmt, steht dahinter meist eine andere, verordnungsfähige Diagnose oder eine private Rechnung. Wer damit plant, plant mit Geld, das nicht kommt.
| Weg | Wer zahlt | Voraussetzung | Häufigster Stolperstein |
|---|---|---|---|
| Krankenkasse | in der Regel nicht die Kasse | Lerntherapie ist kein verordnungsfähiges Heilmittel | Rezept wird abgelehnt |
| Jugendamt, § 35a SGB VIII | Jugendhilfe, Eigenbeteiligung möglich | dokumentierte seelische Folgebelastung, Gutachten meist unter sechs Monate alt | kein rückwirkender Beginn |
| Jobcenter, § 28 Abs. 5 SGB II | Bildungs- und Teilhabepaket | Bezug von Bürgergeld oder Sozialhilfe | hängt am Leistungsbezug, nicht an der Diagnose |
| Selbst zahlen plus Steuer (§ 33 EStG) | Sie, teils gemindert | Attest vor Therapiebeginn (§ 64 EStDV) | nachträgliches Attest wird abgelehnt |
Zur groben Orientierung, nicht als feste Zahl: Stundensätze für Lerntherapie bewegen sich meist zwischen 60 und 95 Euro, im Monat oft bei 250 bis 320 Euro — über ein Jahr summiert auf etwa 3.000 bis 3.800 Euro, über zwei Jahre entsprechend mehr. Nachhilfe liegt üblicherweise deutlich darunter; die aktuellen Spannen stehen im Ratgeber zu Nachhilfe-Kosten, und was steuerlich zählt, im Ratgeber zum steuerlichen Absetzen von Nachhilfe.
Die Reihenfolge entscheidet mit: Der Antrag in der Schule kommt vor jeder Rechnung; er wirkt unabhängig davon, welche Förderung Sie am Ende wählen.
Häufige Fragen zum Thema Legasthenie-Nachhilfe
Hilft Legasthenie-Nachhilfe auch in Englisch und Mathe?
Dort ist sie am unstrittigsten. Englisch trifft Kinder mit einer Lese-Rechtschreib-Störung besonders hart, weil die Schreibweise den Lauten kaum folgt. In Mathe kostet vor allem die Textaufgabe Punkte, weil sie erst einmal gelesen werden muss. Beides lässt sich fachlich auffangen, auch parallel zu einer Therapie. Details auf den Seiten zur Englisch-Nachhilfe und zur Mathe-Nachhilfe.
Bringt Online-Nachhilfe bei einer Lese-Rechtschreib-Schwäche genauso viel wie Präsenz?
Die Datenlage ist dünn, zeigt aber keinen Nachteil. Eine niederländische Untersuchung (Verwimp und Kollegen, 2024) verglich mehrere Hundert Kinder in Präsenz- und Online-Förderung und fand nach rund 20 und 40 Sitzungen vergleichbare Fortschritte. Praktisch entscheiden Kleinigkeiten: ein ruhiger Raum und Kopfhörer, die nicht drücken. Mehr auf der Seite zur Online-Nachhilfe.
Steht ein Nachteilsausgleich in der Schule später im Zeugnis?
In den meisten Bundesländern nicht. Weil er nur die Bedingungen verändert und die Anforderungen gleich lässt, sehen die Schulordnungen dafür überwiegend keinen Vermerk vor. Notenschutz wird dagegen vermerkt, weil dort der Bewertungsmaßstab abweicht; die Diagnose selbst taucht nicht auf. Für eine Bewerbung heißt das: Der Ausgleich hinterlässt im Zeugnis in der Regel keine Spur, der Notenschutz einen Satz ohne Begründung.
Legasthenie oder Dyskalkulie: wie unterscheiden Sie das?
Legasthenie betrifft Lesen und Schreiben, Dyskalkulie das Rechnen und das Mengenverständnis. Häufig kommt beides zusammen, was die Abgrenzung im Alltag erschwert. Deshalb lohnt der genaue Blick, woran ein Kind in Mathe hängt: Rechnet es sicher, sobald jemand die Textaufgabe vorliest, liegt das Problem eher beim Lesen. Eine Rechenstörung lässt sich oft schon ab Ende der ersten Klasse feststellen (DGKJP).
Wächst eine Legasthenie wieder heraus?
In der Regel nicht. Die Schwierigkeiten bleiben, verlieren aber an Gewicht, wenn ein Kind Strategien lernt, Hilfsmittel nutzen darf und die Schule den Nachteilsausgleich gewährt. Dass es Regelungen für Nachteilsausgleich und Notenschutz bis ins Abitur hinein gibt, zeigt: Der Schulweg endet mit dieser Diagnose nicht. Viele Betroffene lesen als Erwachsene langsamer als andere.

Fazit: zwei Zahlen und ein Antrag zur richtigen Zeit
Prozentrang und T-Wert sagen Ihnen, ob Sie im Feld der Förderung oder im Feld der Therapie stehen. Der Nachteilsausgleich nimmt in beiden Fällen Druck aus dem Schulalltag. Dafür braucht es nicht mehr als einen Antrag zur richtigen Zeit im Schuljahr. Bei Verdacht und moderater Ausprägung ist Nachhilfe der schnellste Weg zurück in den Stoff, bei deutlicher Ausprägung die Entlastung neben der Lerntherapie. Eine Sache lässt sich aus keinem Befund ablesen: ob Ihr Kind mit dieser einen Lehrkraft arbeitet. Das zeigt sich in einer Stunde, und wer noch auf den Testtermin wartet, muss diese Stunde nicht aufschieben.
Bereit, es an einer Stunde zu messen? Schildern Sie im Anfrageformular für die kostenlose Probestunde kurz, in welcher Klasse Ihr Kind ist, welches Fach klemmt und ob ein Befund vorliegt. Wünsche zur Erfahrung der Lehrkraft mit Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten gehören direkt mit ins Formular. Die Probestunde selbst ist kostenlos und unverbindlich. Danach wissen Sie, was Sie mit zwei Zahlen aus dem Befund allein nicht klären können.
Quellen: AWMF: S3-Leitlinie „Diagnostik und Behandlung der Lese- und/oder Rechtschreibstörung" (Registernummer 028-044) · Bundesverfassungsgericht: Beschluss vom 22. November 2023 (1 BvR 2577/15 u.a.) · Gemeinsamer Bundesausschuss: Richtlinie über die Verordnung von Heilmitteln · Sozialgesetzbuch VIII: § 35a · Sozialgesetzbuch II: § 28 Absatz 5 · Einkommensteuergesetz § 33 und Einkommensteuer-Durchführungsverordnung § 64 · Bayerische Schulordnung (BaySchO) §§ 31–36 · Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie: Angaben zu Qualifikation und Begleitstörungen · Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie: Hinweise zum frühesten Diagnosezeitpunkt · Verwimp u.a.: Vergleich von Präsenz- und Online-Lerntherapie, 2024